Helmut Schida  -  www.universalgenie.com

 

Texte

Veröffentlichungen

Ölbilder

Grafiken

Fotos

Links

Kontakt

             
Texte            
   
Auch im Schreiben von Texten bin ich Autodidakt, und das seit über 20 Jahren. Dabei wechselt meine Vorliebe zwischen Gedichten und Shortstorys. Ganz selten wage ich mich an einen Roman heran. Ich habe noch kein eigenes Buch herausgebracht, dafür veröffentlichen mich viele Zeitschriften, Magazine und Flugblätter umso lieber. Ich hab mich halt bisher standhaft geweigert ein Buch zu schreiben, das ich auch noch selbst finanzieren soll. Das geht nicht in meinen Kopf hinein, wenngleich es heute schon oft geübte Praxis sein soll. Wer meine Texte lesen möchte, kann dies nun zum großen Teil im Internet und auch in etlichen Onlinezeitschriften tun. Im Menüpunkt "Veröffentlichungen" werde ich mich diesem Thema genauer widmen.

Nun aber zu ein paar Textproben, die ich Ihnen gern hier lesen lasse. Und sollte sich einmal ein interessierter Verleger bis hierher verirren - ich habe Bände voll Material. Also nur zu! Unter "Kontakt / Impressum" kann man mich jederzeit erreichen.

Bei den folgenden Texten handelt es sich lediglich um "Appetithappen" - vielleicht bekommen Sie danach richtigen Hunger?!

   
 

 

Gedichte  
   
  Und singen kann sie!

Schon bevor ich bei Ghirardelli
um die Ecke biege
kann ich sie hören
Eine raue krächzende Stimme
die dir durch die Knochen
direkt ins Hirn knallt
und gleich darauf ist sie da
die Faust im Magen

Ich komme um die Ecke
Da stehen sie
Sie, eine kleine zarte Schwarze
er, alt und grauhaarig
zentimetertiefe Furchen im Gesicht
Den kleinen Verstärker
haben sie an die Autobatterie
ihres uralten Chevy geklemmt
Die Motorhaube steht offen

Langsam dämmert der versinkende Tag
blauviolett von Golden Gate herüber
"Hit The Road Jack" röhrt die Kleine ins Mikro
während der Alte sie auf der Gitarre
und einer Mundharmonika
die er mit einem Drahtgestell
um den Hals trägt begleitet

Schnell sammeln sich zehn bis fünfzehn Leute
um die beiden herum
ab und zu fällt eine Münze
worauf der Alte jedes Mal mit dem Kopf nickt
So was von Gesang hab ich bisher nur
auf den alten Platten von Bessie Smith
oder Mahalia Jackson gehört
Sie bringen noch ein paar Lieder rüber
dann machen sie eine Pause

Sie sammelt die Münzen ein
während er aus dem Motorraum
des 68er-Chevy eine kleine Gaslampe
mit Glühstrumpf holt und sie anmacht
Er muss etliche Male pumpen
und jedes Mal wird das matte Licht
um eine Spur heller
So eine Lampe hab ich zuletzt als Kind
kurz nach dem Krieg gesehen

Jetzt stellt er sie auf den Luftfilter
greift sich die Gitarre
klimpert ein wenig darauf herum
während seine Partnerin von einem Fuß
auf den anderen stampft
und sich in die Handflächen haucht
Es weht nämlich sofort bitterkalt
von der Bucht herein
wenn einmal die Sonne weg ist

Und urplötzlich legen die beiden mit
"I´ ve Got A Woman" los
Ich schrecke direkt hoch
so rau und hart klingt ihre Stimme jetzt
Ich stelle den Kragen meiner Jacke hoch
und während ich die Steigung
zum Russian Hill-Park hinaufklettere
höre ich die beiden noch immer
und werde ihre Lieder kaum mehr los
Goldrausch

Sie hatten uns das Haus weggenommen
einfach unterm Arsch weggezogen
wegen so einer Kreditgeschichte.
Dazu die drei Brände in den letzten fünf Jahren.
Der Ort lag genau auf einer Bruchlinie
typische Erdbebenzone.
Es rumpelte oft in der Nacht,
die Gläser klirrten im Wandschrank,
die Scheiben krachten in den Fensterrahmen,
manchmal fiel ein Bild von der Wand.
Und jetzt macht noch das Werk dicht – arbeitslos.

Alles total trostlos, so beschissen,
dass wir das ganze Zeug auf den Hänger laden
und uns des Nachts davonmachen.
Nach Norden, 170 km bis Sacramento.
Unterwegs schließen sich uns an:
Verzweifelte, Verrückte, Verbrecher
und sonstige Verdammte.

Hunderte kommen jeden Tag am Fluss an,
stecken ihre Claims ab und beginnen
den harten, lehmfarbenen Boden zu durchwühlen.
Wir suchen alle verzweifelt nach Gold
an den Ufern des Sacramento-River.
Kaum einer erwischt ein Metallkorn,
kein einziger wird reich, etliche verrecken im Wasser
oder in den Schächten oder bekommen in der
Dunkelheit ein Messer rein.

Weltwirtschaftskrise, Goldrausch
Kalifornien, Frühjahr 2009

 

Gestählt

Wird immer schwer sein:
eine Partnerschaft
zwischen den Geschlechtern

Kann nicht gut gehen
zu verschieden sind die Vorstellungen
von „ihm“ und „ihr“

Und dann noch die unterschiedlich
rasche Entwicklung
in verschiedene Richtungen

Altersunterschied, Kinder, Vorehen usw.
zusätzliche Belastungen - oder Chancen?

Wer kann das schon beurteilen?
Am wenigsten die Beteiligten selbst.

Und dann schlittert einer in Reichtum,
Karriere oder Krankheit.
Alles Tonnen schwere Belastungen für beide.

Wer das durchhält,
ist gestählt fürs Ewige Feuer.

   
   
   
   
Shortstorys  
   
  Lust auf Süßes

Kommt immer wieder vor, was ich heute in der Zeitung lese. In Chile hält ein Lokführer seinen Zug auf offener Strecke just auf einem Bahnübergang an und steigt aus. Zu fuß geht er die 5 Minuten in eine nahe Konditorei, kauft sich was Süßes und verspeist das auf der Stelle.

Nach etwas mehr als einer Viertelstunde besteigt er wieder seine Lok, löst die Bremsen und fährt weiter. Der dadurch verursachte Stau reicht bis auf die nahe Autobahn zurück und löst sich erst Stunden später auf. Dem auf Süßigkeiten geilen Lokführer droht ein Disziplinarverfahren, das bis zur Entlassung führen kann.

Aber mir gefällt das Bild: Wie der Zug verlassen auf dem Bahnübergang steht und das Männlein in seiner dreckigen Uniform dem Süßwarenladen zustrebt. Das Hupen und wilde Gestikulieren kümmert ihn einen Dreck. Er haut sich die Mehlspeis rein, dass der Puderzucker nur so staubt.

Vor vielen Jahren hatte ich selbst ein ganz ähnliches Erlebnis – in Mexiko. Meine Frau und ich machten Urlaub in einem kleinen Nest etwa 40 Kilometer nördlich von Mexiko-City, in Teotihuacan. Wunderbares Pyramidenörtchen mit viel Geschichte und Ausgrabungen pur. Und das Hotel hat einen Pool – phantastisch! Da schwimmt die Bar samt Keeper mitten auf einer Insel.

Natürlich fahren wir eines Tages von den Ausgrabungen in die prickelnde Metropole. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Bus und U-Bahn. Iss gar nicht so schwer, wenn man den Leuten seine Angst nicht zeigt. Sie schauen schon alle ziemlich böse und forsch durch die Gegend. Aber was soll’s?

Die City ist riesig – etwa 20 Millionen Menschen – die Altstadt mit dem Zokalo sehenswert und die Museen ein Wahnsinn!

Es wird Abend. Wir sind hundemüde, nehmen die U-Bahn zurück und von der Endstation einen Bus in unsere Richtung, eben zu den Pyramiden. Von dort sind es keine 5 Minuten zum Hotel mit dem Wunder-Pool. Alles verläuft reibungslos. Um diese Zeit sind brave Mexikaner längst zu Hause bei den drallen Mamas. So rumpeln wir fast allein in dem silbernen Bus nach Norden.

Dabei haben wir noch Glück, es ist der letzte Bus, den wir erwischt haben. Nicht auszudenken, wenn wir den verpasst hätten!

Zwei Stationen vor der Endstelle hält der Bus bei einer Hendlbraterei. Der Fahrer steigt aus, kauft sich so einen Vogel und deutet uns ebenfalls auszusteigen. Er fährt heute nicht mehr weiter, er ist zu Hause und den Bus lässt er einfach stehen.

Da hilft gar nichts, der Mann hat schon mit seinem Feierabend begonnen. Es ist knapp 23 Uhr und stockdunkel. Bis zur Endstelle sind es etwa 4 bis 5 Kilometer auf unbeleuchteten Landstraßen.

Nach Mitternacht kommen wir unversehrt im Hotel an, und ich weiß heute ehrlich nicht mehr, wie wir das damals geschafft haben.

 



 

  Alles Kopien

Er folgt mir bis ins Terrassencafé in der 5. Ebene des Museums, ganz hinten bei den Impressionisten, deutet auf den Stuhl mir gegenüber, wartet mein Zeichen der Zustimmung gar nicht ab und setzt sich. Erst jetzt fallen mir seine schräg übers rechte Auge gezogene Mütze und der dunkle, am Kragen und an den Ärmeln leicht abgeschabte Wintermantel auf. Ich hab den Kerl schon einmal gesehen! War’s oben am Montmartre? Bevor ich mir ganz sicher sein kann, beginnt er auch schon mit seiner Geschichte.

Sie kennen sich in der Malerei aus. So etwas sehe ich auf den ersten Blick. Ihnen ist die falsche Kirche von Auvers beim Eingang sofort aufgefallen. Sie ist heuer wesentlich kleiner als die Jahre vorher. Stimmt’s? Und wissen Sie, woher das kommt? Sie haben eine andere Kopie aufgehängt.

Sie haben sich darüber auch schon so Ihre Gedanken gemacht. Stimmt’s?

Er sagt zu oft „stimmt’s“, fällt mir auf. Die Kellnerin kommt vorbei. Ich bestelle einen Café au lait. Auch mein Gegenüber nickt der Kleinen zu. Als die beiden Tassen auf dem Tischchen stehen, erzählt der Typ weiter.

Also, kaum eines der wirklich teuren Bilder hängt hier noch im Original. Sind alles Kopien, gut gemacht, aber eben nur Kopien. Sie haben kurz nach dem Anschlag auf die Mona Lisa damit begonnen. Ganz Paris ist seit Jahrhunderten durch ein immenses unterirdisches Geflecht an Gängen, Höhlen und Sälen in mehreren Ebenen unterminiert. Aber darin ist Paris ja nicht allein auf der Welt. Stimmt’s?

Der Louvre und das Musée d’Orsay haben ein ganz besonderes Leben unter Tage. Gegen die anderen Gänge komplett abgeschottet, lässt es sich unter den beiden Museen direkt schöner leben als hier oben bei der Unmenge von ahnungslosen Idioten.

Tief unter uns sitzen – auch jetzt, in diesem Moment - etliche Malergenies, die gerade Monet, Dégas, van Gogh und Kollegen in mühevoller Kleinarbeit kopieren. Rund 80 Prozent aller Ausstellungsstücke sind auf diese Weise in den letzten Jahren schon dupliziert worden. Und einmal im Monat werden nachts etliche Bilder gegen die zuletzt im Keller – wie ich den Untergrund nenne - angefertigten Kopien ausgetauscht. Sie werden sich fragen, wo denn dann die Original bleiben. Stimmt’s?

Lange Zeit waren die Amis die Bestbieter, aber im Moment sind die Oligarchen die eindeutigen Marktführer.

Aber es wird langsam Zeit für mich. Danke für den Kaffee.
Er steht auf, nickt mir zu und im Vorbeigehen flüstert er mir ins Ohr: Ich muss wieder hinunter, um an den Sonnenblumen weiter zu arbeiten. Ist eine harte aber schöne Arbeit. Stimmt’s?
   
   
   
   
   
   
Roman "DDDDr. Jo"
(aus dem 3. Kapitel)

Seine Briefe

...
Im darauffolgenden Frühling bin ich dann bei ihm zu Besuch in N.Y. Treffpunkt Central-Park, Südostecke beim Zeitungskiosk. 

"Na, dass du endlich da bist", brummt mir Jo entgegen und seine dürren Arme legen sich wie väterliche Stahlzangen um mich. Bei seiner Umarmung strömen Kraft und Freude in meinen Körper und in meine Seele, jedes Mal! Seine klugen Augen leuchten noch spitzbübischer als sonst unter den dunklen Augenbrauenbüscheln hervor. "Komm, wir setzen uns erst mal auf einen Drink in diesen Laden." 

"Zwei Gin-Tonic", bestellt er, bevor wir noch auf den klappri­gen Barhockern an der Glastheke Platz genommen haben. "Ich freu' mich, dass du kommen konntest, so mitten im Schuljahr." 

"Während der Karwoche haben wir immer ein paar Tage zusätzlich frei. Aber erzähl' mir, wie geht's dir mit Eveline? Macht sie immer noch so ein Theater wegen ihres Alters?"
Kaum merklich verdunkelt sich sein Blick für einen Moment, der rechte Mundwinkel zuckt leicht nach oben, und Daumen und Zeigefinger beginnen den Backenbart zu ribbeln. Doch Jo fasst sich schnell.

"Hab ich es dir nicht geschrieben? Es ist auf der Bahnfahrt nach Venedig passiert."

"Was ist passiert, Jo?" 

"Ich hab dich ja noch kurz vor unserer Abfahrt vom Bahnhof aus angerufen. Erinnerst du dich?"

Ich nicke.

"Nun, bald nach unserer Abfahrt bekommt Eveline Hunger. Wir erkämpfen uns zwei Plätze im Speisewagen und anstatt zu essen, säuft sie weiter. Einen Gin nach dem anderen."

"Herrgott noch mal, Jo, was ist passiert?" 

"Nach ein paar Drinks muss sie aufs Klo. Ich warte. Nach zehn Minuten - nichts. Nach zwanzig Minuten ist sie noch immer nicht zurück. Ich zahle und suche unser Abteil; dort ist sie auch nicht. Ich inspiziere die WC's am Ende des Speisewagens und in den angrenzenden Wagen. Dann frage ich den Zugbegleiter nach ihr. Doch der hat sie auch nicht gesehen." 

"War sie ausgestiegen? Ist sie bei einem anderen Mann ins Bett gekrochen? Wo hast du sie dann endlich gefunden?" 

"Ich hab sie nirgends mehr gefunden. Ihre Teile lagen kurz nach der Grenze über eine Länge von zwei Kilometern auf'm Bahndamm verstreut. Sie muss im Suff die Türen verwechselt haben, und der Fahrtwind hat sie rausgesaugt. Der Zug fährt an dieser Stelle über hundert Meilen."

Ich merke ganz deutlich, wie sich seine Spannung löst, jetzt wo es draußen ist. Direkt fröhlich schaut er mir voll ins Gesicht, und ich weiß nicht, ob ich erschüttert oder mit ihm erleichtert sein soll.

"Komm, trink aus!" überbrückt er meine Sprachlosigkeit, "Ich möchte dir was zeigen." Er legt zwei zerschlissene Scheine auf den Tresen, und schon verlassen wir die Bar. Zweimal um die Ecke und wir sind da. Ein öder Hinterhof, vergitterte Fenster, zerbrochene Scheiben bis in der ersten Stock hinauf, der dreckige Boden strotzt vor Glassplittern. An der Rückwand des Hofs stehen drei riesige blaue Container. Von Zweien ist die Farbe total ab; sie müssen seit Monaten hier stehen und vor sich hinrosten. Eine Seitenwand des ersten Behälters ist halb aufge­rissen, aus ihr quellen vor allem blaue und braune Kleidungsstücke, die schon den halben Boden um uns herum bedecken. Ein alter Mann in einem zerlumpten schwarzen Mantel klettert eben über den Rand des Containers und gleitet vorsich­tig an dessen Außenseite zu Boden. Ein paar braune Sachen unter den rechten Arm geklemmt. 

"Hey, Bill!" begrüßt ihn Jo.

"Yep, John! Auch wieder mal einkaufen? Heute ham sie tolle Militärhosen auf Lager. Nur die Knöpfe fehlen. Und an den Blusen sind die Ärmel verkehrt herum angenäht. Aber sonst ist alles tipp topp." Damit schlurft er durch die Pfützen zum Ausgang des Hofs. 

"Hier kleide ich mich stets nach der neuesten Mode ein", verrät mir Jo. Ich blicke ratlos um mich. Aber schon drückt Jo die Tür des Containers ein Stück weiter auf, schiebt mit den Schuhen ein paar Bündel zur Seite und zieht mich wie ein Kind, das nicht zum Unterricht will, an der Hand weiter.

"Die Sachen sind nagelneu. Manches ist noch mit Schnüren verpackt. Alles hat irgend einen kleinen Fehler. Entweder keine Knöpfe, dann wieder fehlen die Knopflöcher oder die Reißverschlüsse. Die verkehrten Ärmel kann mir meine Kleine rausschneiden, Knöpfe haben wir zu Hause, hier und da ein wenig mit der Nadel nachgeholfen, das spart bare Dollars. Nimm dir, was du brauchst. Es ist wirklich gratis. Morgen landet es auf'm Müll. Aber probier zuerst, ob es deine Größe ist!" 

Ich finde eine Jeansjacke ohne Knopflöcher und eine braungrün gefleckte Militärhose, an der ich überhaupt keine Mängel feststellen kann. Im Container nebenan türmen sich Kappen, Schals und Handschuhe aus den verschiedensten Materialien. 

"Da haben wir heute aber Glück", meint Jo, "die Sachen landen selten hier und sie scheinen überhaupt keinen Fehler zu haben. Oh doch, hier haben sie die Fransen verkehrt herum angenäht. Nur deswegen landen die Dinger hier auf'm Müll!" 

Ich stecke mir zwei paar Handschuhe ein, setze mir eine schicke Sportkappe auf, rolle das restliche Zeug zusammen, und so verlassen wir gemeinsam den Hof. 

"Zwei Blöcke weiter gibt es tadelloses Geschirr und mit'm Besteck mach ich es genauso. Auch dafür habe ich eine hervorragende Adresse. Ist aber zu Fuß zu weit von hier entfernt. Oder nimm meine Schreibmaschine. Die hab' ich vor Jahren - die Firma ist inzwischen in Konkurs gegangen - nicht weit von hier aufgelesen. Es fehlte bloß das kleine Z und vom E und vom Ypsilon waren ein paar Teile abgebrochen. Aber sonst war sie komplett in Ordnung. Alle Briefe, die ich dir bisher geschrieben habe und die ich dir noch schreiben werde, stammen aus dieser Maschine." 

"Jetzt ist mir auch klar, Jo, warum ich mir beim Übersetzen immer so wahnsinnig schwer getan habe!"

Jo lacht kurz auf.

"Aber du kannst dir sicher nicht vorstellen, was ich mir auf diese Weise alles erspart habe!"

Dann sind wir plötzlich da. 

"Ich bin bald nach meiner letzten Europareise wieder übersiedelt und wohne jetzt mit Cecilia zusammen, die zwei Straßen weiter einen Naturkostladen betreibt. Sie achtet sehr genau auf meine Gesundheit. Hat mich schon von den harten Getränken runter auf Rotwein und Bier."

Damit schiebt er mich in eine düstere Hauseinfahrt und steigt dann die drei Treppen vor mir hoch.

"Der Lift ist hier immer kaputt, aber wir wohnen gottlob nicht ganz oben!" 

Die Tür steht offen, wie alle übrigen Türen im Haus auch. Aus den meisten riecht es stark nach Curry und anderen Gewürzen. Kleinkinder krabbeln oder laufen schreiend über die Treppen. Ich meine, im Haus müsste ein Kindergarten untergebracht sein. Irgendwo höher oben verdrischt einer seine Alte. Die Wände sind bis in Kopfhöhe über und über mit bunten Sprayfarben grässlich verziert. Ich bin entsetzt!

"Das ist Helmut, mein Freund aus Old-Europa. Das ist Cecilia. Hast du das gesunde Essen für unseren Gast fertig, Darling?"

"Kommt weiter, gleich ist alles bereit. Was hast du denn da schon wieder mitgebracht? Noch mehr Klamotten; als ob du nichts zum Anziehen hättest!" Damit nimmt sie ihm und mit der anderen Hand auch mir die eben erworbene Garderobe ab. "Komm schon Johannes, mach deinem Freund doch einen Orangensaft, O.K?"

Sie ist nur wenig kleiner als Jo, mindestens um zwanzig Jahre jünger als er und dürr wie ein Maiskolben aus ihrem Laden. Das schwarze Haar trägt sie so kurz geschnitten, dass es aussieht, als hätte sie eine eng anliegende Kappe auf ihrem Kopf. Die beiden groß geschminkten Augen senden freundliche Signale aus und halten meinem Blick angenehm stand. Sie passt besser zu Jo als alle, die ich bisher kennengelernt habe. Und ihr Essen schmeckt ausgezeichnet, auch wenn ich die meisten Zutaten kaum einzuordnen vermag. Schade, dass Jo auch mit ihr kein Glück haben sollte ...

Dazu sollte man wissen, dass Jo ein ehemaliger Uni-Professor (vierfacher Doktor) und mein Freund war. Er ist 1995 in New York an Alzheimer gestorben. Der Roman heißt übrigens "DDDDr. Jo".

Schreiben Sie mir, wenn Sie Interesse an meinen Texten haben! Mail
 

Und noch viele weitere Texte von mir gibt es HIER !


 

zurück

 

Texte

Veröffentlichungen

Ölbilder

Grafiken

Fotos

Links

Kontakt